Ausgangspunkt der Projektarbeit „ … vom Verschwinden“, die ich zusammen mit der Pianistin, Daria-Karmina Iossifova, entwarf ist ein eigens dafür von mir verfasstes Gedicht von 22 Strophen, das sich um verschiedene Formen des Verschwindens dreht. Der Vortrag sieht sich mit live eingespielten Stimm- und Gitarrenmodulationen ausgestaltet, die sich in Korrespondenz zur Klaviermusik befinden. Die Komposition steht dem Gedicht diametral gegenüber, da sie lediglich auf dem Kammerton A basiert, der in 22 Variationen gespielt wird.

Das A steht für Anfang, das Erste, Beginn, Basis, Ausgangspunkt von Ordnungssystemen; als Ausruf der Erkenntnis, des Schmerzes, des Erstaunens; und ebenso als erster Laut, den wir verrichten, wenn wir das Licht der Welt erblicken.
Dieser Ausruf mimt also den ersten in die Welt geworfenen Klang und verhält sich fortan als dessen Ausformung. So wird der Laut zum Ton, nach welchem sich die „Instrumente“ des eigenen Lebens zu stimmen beginnen.

Vielleicht ist jedes Verschwinden, das in Gegenüberstellung des Anfangs manifest wird, der Versuch des Ausbrechens aus dem eigenen postnatalen Ordnungssystem pränataler Einleitung. An welchem wir uns zuweilen derart abarbeiten, dass nur noch unser Verschwinden Anschauung findet und damit ein stets Abwesendes repräsentiert.

Impressionen des Premierenabends in der Christianskirche Hamburg-Ottensen sowie des Auftritts im alten Klavierhaus Knauer 2014. Fotografiert von Melanie Schoenmakers:

Oben: Auszug der Anfangssequenz [Live-Mitschnitt in der Galerie Gedok 2014]

GEDICHT:

»„… vom Verschwinden“«